© by Fotografie Matthias Eser

RAW-Konverter-Test nach Kamerakauf :-o

Canon Digital Photo Professional <–> Adobe Lightroom <–> Capture One 11 <–> ACDSee Photo Studio Ultimate 2018

 

Als Fotograf macht man ziemlich viele Fotos. Manche sind notwendig, manche sind wichtig, manche müssen sitzen und einfach nach einem Auftrag im Kasten sein. Man kommt dann irgendwann unweigerlich an den Punkt, an dem eine neue Kamera gekauft werden muss. Und hier beginnt das Leid, das mich jetzt fast ein viertel Jahr viele Nerven gekostet hat, mich dazu brachte, meine Arbeitsweise zu überdenken und mich so weit trieb etwas zu tun, was ich eigentlich nicht machen wollte.

Die kurze Version: Ich kaufte die neue Kamera von Canon für einen Job, für den es wichtig war, dass alles passt. Für eine Hochzeitsreportage. Die Wunschkamera war schnell gefunden, und hier beginnt dann auch schon mein Irrweg. Die Kamera hatte ich schnell kennen und schätzen gelernt. Wer sich mit einer Kamera der großen Hersteller schon einmal angefreundet hat, der kann fast jedes Modell dieses Herstellers irgendwie in Gang bringen. Die ersten Fotos waren dann schnell gemacht. Und jetzt? Rauf auf den Rechner mit den Fotos!

Die erste große Enttäuschung war gleich nach dem Importversuch in mein “gekauftes” Adobe Lightroom 4.4: Es kannte die RAW-Dateien meiner neuen EOS 5D Mark IV nicht! Mein Lightroom war spätestens jetzt veraltet! Eine Lösung musste her, weil ich Adobe das sehr krum nahm, dass sie Lightroom nur noch als ABO-Variante in der Creative Cloud anboten. Ich wollte dieses ABO auf keinen Fall abschließen. Also mussten Alternativen her. Einige hat der Markt ja dann doch zu bieten.

Zuerst testete ich den Canon-Eigenen RAW-Converter, der mit der Kamera mitgeliefert wurde. Schnelles Arbeiten Fehlanzeige und so richtig komfortabel fand ich ihn auch nicht. Also neuer Versuch:

Mein zweiter Versuch bestand darin, Capture One 11 herunterzuladen – für einen Testzeitraum von 30 Tagen. Kurz überlegt, denn 300 EUR für eine Software ist auch nicht gerade ein Schnäppchen. Wenn der RAW-Konverter nicht um Längen besser ist, als Lightroom, dann kann ich auch für zwei Jahre Adobe die monatlichen 11,89 EUR in den Rachen schmeißen! Ich mache es kurz – ich kam mit Capture One 11 nicht zurecht. Was mich auch abschreckte, war dass es jedes Jahr ein Update gibt, dass man nur als Besitzer der direkten Vorgängerversion zum Vorzugspreis von über 100 EUR erwerben kann. Capture One war zwar viel geprießen, und hochgelobt, aber die Integration in die restliche Fotosoftware auf dem Rechner war nicht so einfach und durchdacht wie bei Adobe.

Dann probierte ich noch 30 Tage ein Produkt aus, das in meinen Augen eine echte und bezahlbare Alternative sein könnte. Ich kannte es schon von früher. Es handelte sich um die Software von ACDSee. Früher hatte ich ACDSee Pro 3. Jetzt gibt es mehrere Softwarevarianten. Welche genau der Nachfolger meines früheren RAW-Konverters ist, kann ich nicht sagen. Die Entscheidung fiel auf “ACDSee Photo Studio Ultimate 2018“. Für knapp 94 EUR durfte ich einen Lizenzcode eintippen. Ich arbeite jetzt seit ca. 3 Monaten mit der Software. Irgendwie ist vieles anders als bei Capture One 11 oder bei Lightroom, aber der Großteil ist vorhanden. Manche wichtige Funktionen, wie der Exportfunktion ist aber dürftig und unübersichtlich gelöst. Was mich auch stört, ist dass ich zum Bewerten und Markieren der Fotos die STRG- oder ALT-Taste drücken muss, um die Zahl für die Klassifizierung einzutippen. Drückt man die STRG-Taste nicht “sauber” vor der Zifferntaste, landet man nämlich in der Status- bzw. Hauptsymbolleiste am oberen Bildschirmrand – und schon muss man wieder ESC drücken oder zur Maus greifen. Ärgerlich und bremsend! Oder der Export muss zuerst durchgeführt werden und erst danach kann mit einer Batch-Funktion ein Wasserzeichen eingefügt werden.  Wie schon gesagt, vieles ist möglich – manches macht keinen Spaß. Trotzdem wollte ich an dieser Investition festhalten, schließlich bemerkte ich auch, dass ich – je öfter ich mit der ACDSee-Software arbeitete, auch schneller wurde und neue Wege fand, die meine Arbeitsweise unterstützten. Richtig sauer war ich aber dann, als ich im Reiter “Stapel-Verarbeitung” aus Versehen zum zweiten Mal die “Stapel-Entwicklung” anklickte und bestätigte, weil ich dachte ich sei im Export-Dialog. Und dann sind alle bearbeiteten Fotos mit irgendeiner überzogenen Bearbeitung “überschrieben” – und all die Arbeit war umsonst und ist weg! Der Kundendienst hilft hier leider erst nach drei Tagen und wirklich retten konnte ich nichts mehr. Insgesamt waren über 350 Fotos betroffen. Mehrere Nachmittage Arbeit.

Die Zeit war reif, mich mit meinem Feind – also mit dem Abo-Modell von Adobe – anzufreunden. Mir war irgendwie gar nicht bewußt, dass meine Verbindung zu Lightroom von Adobe inzwischen eine Art Hass-Liebe war. Testversion runterladen installieren. Schon hier wird vieles von allein erledigt. Knappe 7 Tage Testzeitraum. Schade, ich hätte gerne auch 30 Tage gehabt. Aber schon beim ersten Öffnen hatte das Lightroom Classic CC alle meine Voreinstellungen, Filter, Importeinstellungen, usw. aus dem Lightroom 4.4 importiert. Ich war baff – denn ich konnte sofort mit meiner gewohnten Arbeitsweise durchstarten. Und als ich merkte, dass ich hier an einem Nachmittag ca. die zweifache Menge an Fotos bearbeiten kann, im Vergleich zu ACDSee, gab ich dann am 8 Tage des Tests meine Kreditkartendaten preis und schloss ein monatlich zahlbares Jahresabo ab. Ich wollte es nicht – aber ich tat es dann doch. Und irgendwie bin ich mittlerweile (4 Tage danach) auch froh, dass ich mich durchgerungen habe. Vieles geht leichter, schneller, effizienter und genauer. Jetzt ist es wieder so einfach neue Fotos irgendwo passend in Auflösung und Speichergröße einzustellen. Egal ob hier auf der Homepage, bei der Model-Kartei oder irgendwo anders – es flutscht! Ich muss wieder erkennen, dass manches eben doch ein bisschen mehr Geld wert ist, auch wenn man immer meint, es geht doch auch günstiger. Günstiger ist nicht immer besser!